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Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger über:
Walter Jakoby: Lauter werdende Zeiten. Gedankenstriche. Hamburg: BoD 2025.
Die Gemeinde der Aphoristiker ist bunt. Das liegt an den zahlreichen Seiteneinsteigern. Natürlich überwiegen die Germanisten und Literaturwissenschaftler. Aber auch Ärzte, Naturwissenschaftler, Manager und Ingenieure sind unter den Autoren zu finden. Diese bringen ihre spezifischen, beruflich geprägten Erfahrungen und Denkweisen ein, die ihren Aphorismen eine besondere Färbung geben.
Ein solcher Fall liegt bei Walter Jakoby vor. Er hat Elektrotechnik studiert und sich wissenschaftlich mit dem Management von technischen Prozessen und Problemen der Automatisierung beschäftigt. Als Hochschullehrer hat er große Erfahrung in der entsprechenden Didaktik gesammelt. Seine Lehrbücher zum Qualitätsmanagement und Projektmanagement für Ingenieure sind mehrfach aufgelegt. Seit einigen Jahren veröffentlicht er im Verlag BoD Aphorismen-Bücher unter dem Oberbegriff „Gedanken“-Reihe. Nun liegt der vierte Band vor mit dem Titel „Lauter werdende Zeiten – Gedankenstriche“.
Der erste Aphorismus ist zugleich Programm: „Aphoristiker suchen das richtige Wort – das sie streichen können“. Durchgehend ist zu spüren, dass dem Autor Kürze und Prägnanz ein hohes Anliegen ist. Bei seinen Betrachtungen über den Menschen und die Welt bleibt er der klaren, logischen Denkweise eines Ingenieurs treu. In seinem Aphorismus „Sprachwürze zeigt Denkstil“ beschreibt er sich quasi selbst. Von der Trockenheit, die man den Ingenieuren manchmal nachsagt, fehlt jede Spur. Sein Spektrum ist weit und vielfältig, er denkt originell und einfallsreich.
Bemerkenswert ist der Anhang. Ein Index mit Schlagworten erleichtert die Suche. Besonders lesenswert sind allerdings seine Gedanken und Definitionen zur Literaturgattung des Aphorismus. Hier ist er wieder ganz Ingenieur. Klar und strukturiert werden alle Aspekte durchdekliniert. Lesen lohnt sich!
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